Menschenrechtsseminar 2025 – Brücken bauen Perspektiven im Nahostkonflikt
Vom 7. bis zum 9. Juli fand unser diesjähriges Menschenrechtsseminar in dem wunderschönen Abteikloster in Meschede statt. Es haben insgesamt 30 Schüler*innen der Jahrgangsstufen 10 - 12 der drei UNESCO-Projekt-Schulen Hansa-Gymnasium (Köln), Ganztagsgymnasium Johannes Rau (Wuppertal), Robert-Wetzlar-Berufskolleg (Bonn) sowie des Herder-Gymnasiums in Minden teilgenommen.
Claudia Rehmsmeier-Lampa und Kirsten Lenzenbach (Lehrerinnen), 24 August 2025

Fern vom Schulalltag haben wir uns insgesamt drei Tage mit einem Thema beschäftigt, das uns alle sehr berührt hat – dem Krieg im Gazastreifen und seiner Vorgeschichte.
Nachdem wir am Montag alle angereist und durch ein reichhaltiges Mittagessen gestärkt waren, stand zunächst das Kennenlernen und das miteinander Warmwerden aller Schüler*innen aus den verschiedenen Schulen und Jahrgangsstufen im Mittelpunkt. Spielerisch haben wir bei einem Speeddating erste Fragen und Ideen zum Thema ausgetauscht und bei einer alternativen Version des Spiels „Wer bin ich“ zentrale berühmte Akteur*innen rund um den Konflikt kennengelernt.
Der Höhepunkt des Tages fand anschließend statt in Form eines <b>Trialogs mit Shai Hoffmann und Nadine Migesel<b/>. Der Trialog ist ein multiperspektivisches Gesprächsformat, das von der Deutsch-Palästinenserin und Shai Hoffmann, einem Deutsch-Israeli, initiiert wurde. Sie sprachen mit den Jugendlichen über ihre Emotionen und Erfahrungen und eröffneten einen Raum, in dem viele Fragen gestellt wurden und die Schüler*innen untereinander ins Gespräch kommen konnten. Die Referent*innen legten dabei viel Wert auf Respekt und Einfühlungsvermögen, die das gegenseitige Zuhören und die Verständigung erleichterten. Viel zu schnell waren die 90 Minuten um. Am Abend saßen wir gemütlich schulübergreifend zusammen und verarbeiteten das Gehörte in lebhaften Diskussionen.
Am Dienstag erhielten wir Besuch von zwei Referentinnen der Gesellschaft im Wandel. In dem Ganztags-Workshop wurden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die die unterschiedlichen Perspektiven auf Israel und Palästina in Deutschland prägen, thematisiert. Dabei wurden am Vormittag sowohl die Vergangenheit des Nationalsozialismus und die Verantwortung für die Shoah thematisiert als auch die historischen Rahmenbedingungen des Konflikts, die eine perspektivübergreifende Einordnung des aktuellen Konfliktgeschehens erleichterte.
Am Nachmittag stand die Zunahme von Antisemitismus und Rassismus im Kontext des Nahostkonflikts im Fokus. In Argumentationstrainings lernten wir, Rassismen, Vorurteile und Stereotype zu erkennen und zu thematisieren. Abends fand ein freiwilliger Filmabend statt, an dem wir den preisgekrönten palästinensisch-israelische Dokumentarfilm "No Other Land" anschauten. Der Film thematisiert die Vertreibung von Palästinensern im Westjordanland und wurde von Basel Adra,Yuval Abraham, Rachel Szor und Hamdan Ballal gedreht.
An unserem letzten Tag vertieften wir unsere Arbeit in selbstgewählten Kleingruppen zu den Themen: palästinensisches Leben in Deutschland, Friedensperspektiven, der mediale Umgang mit dem Konflikt sowie Micro-Debatten zu kontroversen Fragen, zum Beispiel zu deutschen Waffenlieferungen an Israel. Nach einer gemeinsamen Abschlussreflexion und einem abschließenden Mittagessen verließen wir gemeinsam müde und zufrieden das Kloster. Nach drei sehr intensiven Tagen haben Lehrkräfte wie Schüler*innen viele neue Perspektiven kennen gelernt und vor allem schulübergreifende Freundschaften geschlossen.
Wir freuen uns auf das nächste Menschenrechtsseminar!