Gedenkstättenfahrt 2026
"Wenn wir hassen, verlieren wir, wenn wir lieben, gewinnen wir" (Philomena Franz, 1922-2022)
Eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz und Krakau für Schüler:innen des Hansa-Gymnasiums Köln vom 07.-14. Februar 2026
Fabia Kanschat (Q1), 8. März 2026

Unsere Vorbereitungen auf die Fahrt starteten in der Projektwoche mit vielen Referaten, vorbereitet von uns Schüler:innen, über die wichtigsten Orte und Geschehnisse des Holocausts. Schon alleine diese Woche war für uns bedrückend und hat täglich an all diese Grausamkeiten erinnert. Dennoch war sie als Vorbereitung sehr wichtig, da wir so später schon viel besser über die Orte Bescheid wussten, an denen wir uns befanden.
Mit einer Woche Pause ging es für uns dann mit dem Bus los, direkt nach Oświęcim. Der erste Eindruck von dem Ort, der mir bis jetzt im Kopf geblieben ist, war der Anblick von Steinmauern, dahinter der von vielen Bildern, Filmen und Dokus bekannte Stacheldrahtzaun und ein großes Gelände mit Reihen von Backsteingebäuden. Das war Auschwitz I, das Stammlager. Direkt in der Nähe war unsere Unterkunft, das Zentrum für Dialog und Gebet, in dem wir unsere Zimmer bezogen, Abendessen bekamen und früh schlafen gingen.

Am nächsten Tag waren wir schon früh wach und starteten mit einer Führung durch das Stammlager, das Arbeitslager von Auschwitz. Wir hatten schon so viel über diesen Ort gehört und nun betraten wir selbst das Gelände. Spätestens ab dem Moment, an dem wir vor dem Eingangstor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“ standen, wurde allen richtig bewusst, wie nah das nun alles ist und wie real. Das war der Ort, mit dem wir uns die ganze Zeit beschäftigt hatten und über den wir die unmenschlichsten und grausamsten Dinge wissen.

Wir wurden nun über das gesamte Gelände geführt und haben von unserem Guide sehr viele und neue Informationen erzählt bekommen. Die meisten der Häuser dort sind umgebaut worden zu Ausstellungen. Diese sind sehr beeindruckend gestaltet. In einer der Ausstellungen sieht man hinter Glasscheiben riesige Berge abgeschnittener Haare, oder mit Namen beschriftete Koffer. In anderen Ausstellungen liest man beispielsweise etwas über einzelne Geschichten von betroffenen Menschen. Beeindruckend waren besonders die unzähligen Fotos der Häftlinge, mit Gesichtsausdrücken, die einen nicht mehr wegschauen ließen.

Unsere Führung ging auch durch den Block 11, auch Todesblock genannt. Dieses Gebäude war das Lagergefängnis für Häftlinge. Dort sieht man die Hungerzellen, in denen eingesperrte Häftlinge dem Hungertod ausgeliefert waren oder auch die Stehzellen mit einem Quadratmeter für meistens vier Personen und einem winzigen Loch für die Luftzufuhr. Dann ging es weiter in den Hof dieses Blocks, mit der sogenannten schwarzen Mauer, vor der unzählige von Häftlingen erschossen wurden. Als wir über diesen Hof liefen, hat jeder von uns geschwiegen und an die Opfer gedacht.
Am stärksten mitgenommen hat uns dann das Ende der Führung. Dort betraten wir die noch bestehende Gaskammer und das Krematorium des Lagers. Hier wurden die ersten Massenvergasungen mit dem Gift Zyklon B durchgeführt. Das Gefühl von Bedrückung und Unbehagen, was uns dort erschütterte, ist kaum in Worte zu fassen.
Am zweiten Tag ging unsere Führung weiter durch Auschwitz II Birkenau. Dies ist das riesengroße Arbeits- und Vernichtungslager. Etwas weiter entfernt von dem Lager befindet sich die alte Judenrampe. Hier kamen viele der Menschen nach ihrer endlos langen und demütigenden Deportation in überfüllten Viehwaggons an. Später wurden die Waggons über die Gleise dann direkt ins Lager geleitet und die Menschen wurden auf einer großen Judenrampe direkt im Lager selektiert. Von der alten Judenrampe aus geht ein Gehweg direkt auf das große Tor zu. Genau diesen Weg sind damals viele der deportierten Häftlinge ins Lager gelaufen. Um in Gedanken ganz bei diesen Menschen zu sein, sind wir alle nacheinander einzeln den Weg zum Tor gelaufen.
Als wir dann auf der Innenseite des großen Tors mit unserem Guide standen, war das ganze Gelände leer. Es war noch früh und besonders kalt an diesem Tag. Wenn man über das Gelände schaute, konnte man nirgends ein Ende sehen. Dieses Ankommen habe ich als besonders eindrucksvoll in Erinnerung. Nach der ersten halben Stunde wurde allen von uns schrecklich kalt durch den Wind und die Temperaturen. Doch mit der Vorstellung, dass die Häftlinge hier damals statt mit Wintersachen nur ganz dünn bekleidet waren, konnte sich niemand von uns beklagen. Durch diese Kälte wirkte der ganze Ort noch viel schrecklicher. Die Vorstellungen, dass die Menschen hier noch so viel Schlimmeres aushalten mussten als nur die Kälte, war etwas, was uns alle beschäftigte. Die Führung über das Gelände dauerte lange. Wir sahen uns original Baracken an und auch den Frauen- und Kinderbereich des Lagers. Gegen Ende der Führung ging es dann zu den Krematorien des Lagers ganz am Ende des Geländes. Dort waren nur noch Ruinen zu sehen, doch trotzdem sah man dem Ort seine Grausamkeit an. Ich erinnere mich an ein sehr bedrückendes Gefühl dort. Und obwohl wir so lange auf dem Gelände unterwegs waren, hatten wir noch längst nicht alles gesehen.
Am nächsten Tag nahmen wir uns nochmal die Zeit, ohne eine Führung über das Gelände zu laufen. Wir nutzten den Tag besonders zum Gedenken der Opfer. Wir standen an den Ruinen des Bereichs der Sinti und Roma und an dem Teich, in dem die Asche der Krematorien entsorgt wurde. Wir hörten weitere Vorträge über einzelne Personen und deren Berichte von ihrer Zeit im Lager. Dieser Gang durch das Lager war ganz anders als die Führung am Tag zuvor, da wir jetzt nur mit unseren eigenen Gedanken und Emotionen zu tun hatten.
Der zweite Teil unserer Fahrt ging nach Krakau. Dort hatten wir am ersten Tag im „Jewish Community Centre“ ein Zeitzeugengespräch mit Bernard Offen. Er war als kleiner Junge in fünf verschiedenen Konzentrationslagern, darunter auch Auschwitz-Birkenau. Durch den Krieg verlor er den Großteil seiner Familie. Nur seine zwei großen Brüder fand er nach langem Suchen in Italien wieder. Von diesem Moment erzählte er uns auch und man konnte merken, wie emotional er bei diesem Thema immer noch wurde, was sehr berührend war. Dieses Gespräch hat uns viel mitgegeben und es war sehr bewegend, ihm zuzuhören. Wir konnten Fragen stellen und Bernard Offen erzählte uns von seiner Umgangsweise mit den schrecklichen Erlebnissen. Er nennt das bei sich „selfconfrontation in the process of healing“. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir das Gespräch mit einem Zeitzeugen, und dazu einem so freundlichen, wachen und weisen, noch erleben durften.

Die weitere Zeit in Krakau verbrachten wir mit einer Stadtführung und eigenständigem Erkunden der Stadt. Abends kamen dann alle wieder zusammen und wir gingen zum Abendessen in unterschiedliche Restaurants in der Stadt. Der Aufenthalt in Krakau hat uns allen geholfen, die letzten Tage zu verarbeiten und es entstanden untereinander auch viele gute und reflektierte Gespräche.
Auf der Heimfahrt im Bus merkte man allen an, dass wir doch sehr müde waren und auch in den Tagen danach ließ uns die ganze Fahrt nicht mehr wirklich los. Wir haben viele schlimme Geschichten gehört und mit eigenen Augen grausame Orte gesehen.
Sich mit diesem Thema zu beschäftigen, ist keinesfalls einfach. Doch es ist umso wichtiger, es trotzdem zu tun. Es ist ein großer Teil in unserer Geschichte und wir sind nun die Menschen, die dafür sorgen sollten, dass diese nicht in Vergessenheit gerät, gerade weil sie so schlimm ist und deshalb auch nie wieder passieren darf.