Erziehungswissenschaften

Das Fach Erziehungswissenschaften wird vollständig in allen Jahrgangsstufen der gymnasialen Oberstufe angeboten.

Schulcurriculum

Allgemeines/ Historisches

Das Fach Erziehungswissenschaft wurde in NRW, im Zuge der Oberstufenreform, 1972 als reguläres Unterrichtsfach an allen Schulen mit gymnasialer Oberstufe eingeführt. Es ist wie die Fächer Erdkunde, Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften dem gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld zugeordnet und versteht sich als allgemein bildendes Fach, das in besonderem Maße sowohl einen Beitrag zu einer wissenschaftlichen Ausbildung leisten als auch Hilfen zur persönlichen Entfaltung in sozialer Verantwortung geben kann.

Das Fach Erziehungswissenschaft an unserer Schule

Lange Tradition

Auch am Hansa-Gymnasium hat das Fach eine lange Tradition. Mit der grundlegenden Neuordnung der gymnasialen Oberstufe zu Beginn der 70er Jahre wurde aus dem Fach "Erziehungslehre" das Fach "Erziehungswissenschaften", das sowohl als Grund- als auch als Leistungskurs gewählt werden kann.

Vorübergehende Auslagerung
Das Wahlverhalten der Schülerinnen und Schüler hat dazu geführt, dass seit 30 Jahren immer ein bis zwei Kurse in jeder Jahrgangsstufe der Oberstufe eingerichtet werden konnten, darunter meistens auch ein Leistungskurs. In den letzten Jahren hatten wir das Fach, aufgrund eines Mangels an Fachkräften, an unsere Kooperationsschule, das Königin-Luise-Gymnasium, ausgelagert.

Jetzt wieder vollständig im Angebot
Seit dem Schuljahr 2011/ 12 konnten wir das Fach zunächst in der Einführungsphase wieder anbieten, und seit diesem Schuljahr haben wir das Fach in allen Jahrgangsstufen der gymnasialen Oberstufe vollständig an unsere Schule zurückgeholt.

Unterrichtsinhalte

Der Lehrplan für das Fach Erziehungswissenschaft schreibt für die einzelnen Kurshalbjahre die in der unten stehenden Übersicht dargestellten Kursthemen vor. Die konkreten Zugänge zu diesen allgemein formulierten Kursthemen können in unterschiedlicher Weise erfolgen und richten sich auch nach der Interessenlage der Schülerinnen und Schüler des jeweiligen Kurses. Zu beachten ist dabei, dass sich nicht eine lose Abfolge von unverbundenen Themen ergibt, sondern innere Zusammenhänge, Lernzuwachs und Progression deutlich werden.

Einführungsphase

In der Einführungsphase werden die Schülerinnen und Schüler im ersten Halbjahr mit grundlegenden Fragen, Begriffen und Methoden der Erziehungswissenschaft vertraut gemacht und erwerben so Kompetenzen, auf die in den folgenden Halbjahren bei der Behandlung spezieller Themen aufgebaut werden kann. Es geht z. B. um eine Klärung dessen,

  • was überhaupt unter Erziehung verstanden wird,
  • welche Erziehungspraktiken angewendet werden und früher angewendet wurden,
  • welche Bedeutung dabei das gesellschaftliche Umfeld hat,
  • aber auch darum, wie in der Erziehungswissenschaft Erkenntnisse gewonnen werden.

Im zweiten Halbjahr stehen die Entwicklungs- und Lernfähigkeit des Menschen, die die Voraussetzung aller pädagogischen Bemühungen ist, und die damit verbundenen Prozesse im Mittelpunkt.

Qualifikationsphase 1

Entwicklungsphänomene

Eine umfassendere Beschäftigung mit speziellen Entwicklungsphänomenen erfolgt dann in der Qualifikationsphase 1. Aufbauend auf die Inhalte und Methoden der EF.1 und EF.2 erwerben die Schülerinnen und Schüler in der 12.1 anthropologische, entwicklungspsychologische und sozialisationstheoretische Kenntnisse und reflektieren deren pädagogische Bedeutung für die Entwicklung des Kindes von der Geburt bis zum Eintritt in die Pubertät.

Problematische Entwicklung
Entwicklungs- und Sozialisationsschwierigkeiten, deren mögliche Ursachen und notwendige Hilfen werden vor dem Hintergrund der Theorien, der anthropologischen Implikationen und der praktischen Umsetzbarkeit bewertet.

Besonderheiten des Jugendalters
Im zweiten Halbjahr werden die Besonderheiten des Jugendalters mit dem Erwerb der individuellen Identität und der sozialen Verantwortung vor dem Hintergrund der bereits erworbenen Kenntnisse erarbeitet. Bei der Betrachtung von gestörter Entwicklung und Sozialisation analysieren Schüler und Schülerinnen Erscheinungsformen und Ursachen, lernen Devianztheorien und sozialpädagogische, sonderpädagogische sowie therapeutische Hilfen kennen, und, Präventions- bzw. hierzu zu reflektieren.

Qualifikationsphase 2

Normen, Ziele und Identität

Für die Qualifikationsphase 2 sehen die Richtlinien zwei Kursthemen vor, einmal Normen und Ziele in der Erziehung, zum anderen das Thema Identität. Verbunden mit dem ersten Kursthema lauten die obligatorischen Themen:

  • "Normen und Ziele in verschiedenen historischen, politischen und kulturellen Erziehungskontexten",
  • "Institutionalisierung von Erziehung"
  • und "Pädagogische Theoriebildung".

Unterrichtsgegenstand "Schule"

In der langen Geschichte des Pädagogikunterrichts hat sich der Unterrichtsgegenstand "Schule" als besonders geeignet erwiesen, die unterschiedlichen Vorgaben zu berücksichtigen. So kann die Auseinandersetzung mit geschichtlichen Quellen zur Aufgabe der Schule in unterschiedlichen Epochen die jeweiligen Normen und Ziele der schulischen Erziehung verdeutlichen. Verbunden mit den unterschiedlichen Zielen wird auch hier deutlich, wie sehr sich die Institution Schule gewandelt hat und angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen immer wieder wandeln muss. Ein Schwerpunkt kann hier die Auseinandersetzung mit anderen Modellen und Verwirklichungen des Schulwesens und der Bildungspolitik sein.

Vorbereitung aufs Abitur

Das zweite Halbjahr der Q2 bietet anhand des Themas Identität die Wiederholung und Vertiefung der Inhalte der vorangegangenen Jahrgangsstufen als Vorbereitung auf das Abitur, sodass den Schülerinnen und Schülern der Gesamtzusammenhang zwischen einzelnen Themen deutlich wird.

Lehrplanvorgaben für die Kursthemen

  • EF/1 Erziehungssituation und Erziehungsprozesse
    Das Individuum im Erziehungsprozess
    Erziehungsverhalten und Legitimation von Erziehungspraktiken
    Erziehung in verschiedenen historischen und kulturellen Kontexten
  • EF/2 Lernen und Entwicklung
    Beobachtung, Beschreibung und Analyse von Lernvorgängen
    Entwicklungsprozesse und Lernprozesse
    Beeinflussung von Lernprozessen und Selbststeuerung des Lernens
  • Q1/1 Entwicklung und Sozialisation in der Kindheit
    Grundlagen und Interdependenz von Entwicklung und Sozialisation
    Modelle der wissenschaftlichen Erfassung von Entwicklung, Sozialisation und Entwicklungsstörungen im Kindesalter
    Pädagogisches Denken und Handeln aufgrund von Erkenntnissen über Entwicklung und Sozialisation
  • Q1/2 Entwicklung, Sozialisation und Identität im Jugend- und Erwachsenenalter
    Risiken der Entwicklung und Sozialisation in Pubertät und Jugendalter und ihre wissenschaftliche Erfassung
    Pädagogisches Denken und Handeln aufgrund von Erkenntnissen über Entwicklung und Sozialisation in Pubertät und Jugendalter
    Entwicklung, Sozialisation und Identität im Lebenszyklus
  • Q2/1 Normen und Ziele in der Erziehung
    Normen und Ziele in verschiedenen historischen, politischen und kulturellen Erziehungskontexten
    Institutionalisierung von Erziehung
    Pädagogische Theoriebildung
  • Q2/2 Identität
    Erzieherische Aspekte der Identitätsbildung im Kontext persönlicher Entfaltung und sozialer Verantwortlichkeit